Don’t trust anyone: Verschwörungsdenken als Radikalisierungsbeschleuiniger?

Pia Lamberty

Abstract


Verschwörungstheorien sind spätestens seit der letzten US-Präsidentschaftswahl in aller Munde: Chemtrails vergiften unsere Atmosphäre, die Erde ist wahlweise flach oder eine Hohlkugel, Reptiloide versuchen die Menschheit auszulöschen und Nationalsozialisten haben sich nach Neuschwabenland in die Antarktis geflüchtet. Das Kreuzfahrtschiff Conspira-Sea bietet Verschwörungstheoretikern und Esoterikern die Möglichkeit, sich fernab jeder Rechtsbarkeit bei vegetarischem Buffet und Yoga über Verschwörungstheorien auszutauschen und im nächtlichen Sternenhimmel nach UFOs zu schauen.

Was auf den ersten Blick skurril und absurd wirkt, ist durchaus weiter verbreitet als man vermuten würde. Verschwörungstheorien stellen keine Randerscheinung der Gesellschaft dar, dafür werden sie von einem zu großen Teil der Gesellschaft befürwortet. Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2012, die im US-amerikanischen Raum gemacht wurde, stimmten 37 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass der Klimawandel eine Lüge sei, 28 Prozent gingen davon aus, dass eine machtvolle Elite die Welt durch eine Neue Weltordnung regieren möchte und noch 13 Prozent glaubten, dass Obama der Anti-Christ sei. Eine von Welt der Wunder durch das Emnid Institut durchgeführte Befragung im Jahr 2011 mit über 1000 Befragten ergab, dass fast 90 Prozent der Deutschen davon überzeugt sind, dass die US-amerikanische Regierung nicht die Wahrheit über die Anschläge am 11. September 2001 sagt und 40 Prozent befürchten, dass es eine geheime Weltregierung gibt, die die Strippen zieht (Welt der Wunder, 2011).

In diesem Artikel soll sich damit auseinandergesetzt werden, welche psychologischen Grundlagen der Glaube an Verschwörungstheorien innehat, inwiefern diese mit menschenfeindlichen Aussagen zusammenhängen und welche Rolle sie für Radikalisierungsprozesse spielen können. 


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