Der gescheiterte Antifaschismus der SED – Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus in der DDR

Dr. Harry Waibel

Abstract


Einleitung

Die DDR war ein von der Sowjetunion initiierter und von der SED kontrollierter diktatori­scher Staat und seine Gründung geht zurück auf Absprachen zwischen der KPD bzw. SED ei­nerseits und der KPdSU andererseits. Diese Staatsgründung brachte zum Ausdruck, was in der kommunistischen Arbeiterbewegung seit den 1920er Jahren, von den Bolschewiki bzw. von Lenin und Stalin zur gängigen Ideologie und Praxis eines „So­zialismus in einem Land“ entwickelt wurden, und was die KPD zum Be­standteil ihrer Program­matik und Po­litik werden ließ. Die SED, wie sich die KPD nach der Zwangsfusion mit der SPD nannte, durchdrang und beherrschte mit ihrem autoritär geführten Parteiapparat, mit ihren Mas­senorganisationen, mit den von ihr in der „Nationalen Front“ gleichgeschalteten Blockparteien und vor allem durch die Instru­mentalisierung des Staatsap­parates die ost-deut­sche Gesellschaft und ihre Bevölke­rung.[1] Ähnlich wie die SED den Antisemitismus in der DDR leugnete, so leugnete sie auch den Rassis­mus. Wenn doch „Vor­kommnisse“ dieser Art registriert werden mussten, dann wurden Täter als „kriminelle“ oder „asoziale“ Elemente be­zeichnet, die durch den schädli­chen Einfluss westli­cher Me­dien oder Agenten dazu beeinflusst worden wären. Die Verleug­nung und Verdrängung dieser Thematik reicht bis in die Gegenwart, wenn von Mitgliedern und Sym­pathisanten der Linkspartei immer wieder behauptet wird, in der DDR hätte es kei­nen Ras­sismus oder Antisemitismus gegeben, und die Erscheinungen der Gegenwart seien aus­schließlich Folgen der politischen, sozialen und ökonomischen Veränderungen ab 1990.


[1] Vgl. Schroeder/Staadt, a.a.O., S. 309.


Schlagworte


Rechtsextremismus

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Ohne Titel


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