Bemerkungen zu Begriffen und Bewertungen freiheitsfeindlicher Bewegungen und einigen aktuellen gesellschaftlichen Lagen

Dr. Bernd Wagner

Abstract


Aus Russland erreichte uns ein Beitrag zum Nationalismus in Russland. Das Zentrum Demokratische Kultur beschäftigt sich seit der Gründung im Jahr 1997 mit den Gesellschaftsverläufen in den postkommunistischen Staaten. Auch auf der praktischen Seite ist der Blick in das Ausland relevant, da die Völkischen, Rechtsradikalen und Rechtsextremen nicht an Staats-, Länder- und Kreisgrenzen stoppen, im Unterschied zu deutschen Verwaltungen. Ohnehin gibt es heute den Rechtsraum der Europäischen Union, der gegenwärtig jedoch in einer Definitionskrise seiner selbst steckt.

Das Zentrum Demokratische Kultur und die Initiativen EXIT-Deutschland und HAYAT-Deutschland, stellen auch bezogen auf die Aufgaben der Deradikalisierung immer wieder, internationale Verbindungen ideologisch morphologische Felder und reale Verbindungen fest, die Rahmenbedingungen selbst für Ausstiege aus extremistischen Gruppen und Netzwerken abbilden. Diese sind jedoch hier nicht von Bedeutung, sondern sind im Bereich der Methodik der Deradikalisierung bedeutsam.[1]

Der nachfolgende Artikel ist im Unterschied zum Utilitären der Praxisarbeit in Initiativen und Projekten und ihrer wissenschaftlichen Reflexion ein Betrag des Petersburger Forschers Alexander Verkhovsky, der aus einer deskriptiven Sicht die Rolle des Nationalismus in Russland im gesellschaftlichen Leben Russlands, seine Funktionsvielfalt und Ausformungsbreiten umreißt und zugleich das komplizierte Wechselverhältnis von staatpolitisch gestützten und spontanen Bewegungen in den Blick nimmt. Er diagnostiziert eine akute Krise der spontanen nationalistischen Bewegungen, die wohl nicht von Dauer sein wird, sondern offensichtlich einen Umbruch andeutet. Einen ähnlichen Vorgang gab es auch in Deutschland in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre bis etwa 2014, der nicht linear verlief. Heute zeigt sich der deutsche Nationalismus in verschiedenen neuen Variationen, ohne die alten und tradierten Formate aufgegeben zu haben, die an einer neuen Aufwertung arbeiten. Es zeigte sich, dass es nur weniger Trigger bedarf, um neue nationalistische orientierte Bewegungen in Gang zu setzen. Obgleich mit der deutschen Einheit, von einer demokratisch grundierten und den westlichen Werten verpflichteten moderat nationalistischen Ausgangsposition eine allgemeine Politik des Auflösens derartiger nationalistischer und völkischer Bindung unter erheblichem Einfluss internationalistischer Diskurse stattfand. Dieser wurde in unterschiedlichen Maße durch alle politischen Machtstrukturen getragen.


[1] Eine nächste Ausgabe des JEX wird sich diesem Relevanzbereich näher zuwenden.


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